Bergstadt Schneeberg
 
Kleiner geschichtlicher Einblick
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Im Jahre 1453 soll das erste Bergwerk auf dem Schneeberg angelegt worden sein, nachdem schon im benachbarten Schlematal Eisenbergbau betrieben worden war. Es ist überliefert, dass ein Hausierer vom Steiger einer Eisenzeche Erzproben mit nach Nürnberg nahm, die sich als silberhaltig erwiesen. 1470 fand ein Hauer des Zwickauer Bergherren Martin Römer den ersten hochwertigen Erzgang. Von nun an wurde der Bergbau in großem Ausmaß betrieben und die Stadt Schneeberg regelrecht „aus dem Boden gestampft“. Die Gründung des Ortes Schneeberg geht auf das Jahr 1471 zurück. Um den Bergleuten Wohnraum zu verschaffen, wurde das „Gehäng“ 1472 eingezäunt und damit der Anfang der Stadt Schneeberg gemacht. Der Hauptteil der Stadt wurde dann jedoch planmäßig angelegt.

1477 kam Herzog Albrecht nach Schneeberg und legte den Grundstein zur ersten Kirche. Es ist überliefert und in zahlreichen Darstellungen festgehalten, dass in der unerhört ergiebigen St.-Georgen-Zeche eine einzigartige Erzstufe freigelegt worden ist. Dieser sogenannte „Silbertisch“ war 2 m lang, 2 m breit, 1 m hoch und ergab beim Ausmünzen 80000 Gewichtsmark Feinsilber. Herzog Albrecht ließ es sich nicht nehmen, an diesem berühmten silbernen Tisch untertage zu speisen, und er soll gesagt haben, dass dies selbst der Kaiser nicht könne.
   
 
1481 erhielt Schneeberg die „Privilegien einer freien Bergstadt“. Im Jahre 1500 bekam die Stadt ihre eigene Münze und prägte dort die „Schnieber“. Auch in Neustädtel, welches bereits im letzten Viertel des 12. Jhd. als bürgerliche Siedlung entstanden war, belebte sich der Bergbau. Nach der anfänglichen Gewinnung von Zinn war der Silberbergbau und ab dem 16. Jahrhundert der Abbau von Wismut- und Kobalterzen von großer Bedeutung. Um 1460 wurde eine Straße von Zwickau nach Schneeberg angelegt. Der Ort Silberstraße erklärt heute noch mit seinem Namen die Bedeutung dieser Verkehrsader.

Das Wahrzeichen Schneebergs ist die St. Wolfgangskirche. Von allen Seiten gut sichtbar, tront der „Bergmannsdom“ auf dem höchsten Punkt des Stadtberges. Die aufstrebende und reiche Silberstadt Schneeberg wollte nicht hinter anderen Städten nachstehen, und so wurde in den Jahren 1516–1540 die St. Wolfgangskirche als spätgotische Hallenkirche errichtet. Die Kirchenhalle von St. Wolfgang ist mit 60 m Länge, 27 m Breite und 20 m Höhe die größte evangelische Hallenkirche Sachsens. Der 72 m hohe Turm trägt eine Barockhaube. Der wertvollste Kirchenbesitz ist der vom Kurfrüst Johann Friedrich dem Großmütigen und dessen Stiefbruder, Herzog Johann Ernst, 1539 gestiftete Cranach-Flügelaltar. Im Jahre 1719 wütete in Schneeberg ein großer Stadtbrand, der viele Gebäude und auch Dach und Turm der Kirche vernichtete.
   
 
Am 19. April 1945, kurz vor Kriegsende, wurde Schneeberg von Tieffliegern angegriffen und mehrere Häuser sowie die St. Wolfgangskirche in Brand gesetzt. Die Kirche brannte mitsamt dem Turm völlig aus. Die wertvollen Cranach-Bilder konnten gerettet werden. 1946 begann der langwierige Wiederaufbau. Mit der Aufstellung des restaurierten Flügelaltars von Lucas Cranach im Jahr 1996 wurde die Wiederherstellung des Kirchenraumes im Wesentlichen abgeschlossen. 1998 folgte die Weihe der neuen Großorgel, gebaut von der Firma Jehmlich aus Dresden.

Aber auch das Schneeberger Rathaus ist ein stattliches Bauwerk. Das erste Rathaus wurde 1527–1548 errichtet. Es fiel der großen Feuersbrunst des Jahres 1719 vollständig zum Opfer und wurde dann in etwas einfacherer Form wieder errichtet. 1849 wurde das zweite Schneeberger Rathaus durch Brandstiftung wiederum zerstört. In den Jahren 1851/52 wurde das Rathaus in der heutigen äußeren Form erbaut. Beim Umbau 1912 wurden die schönen Stuck- und Kassettendecken im Treppenhaus eingefügt. Sehenswert sind auch die Bleiglasfenster und der Stadtverordnetensaal. Über dem Portal stellt ein Sandsteinrelief die Sage vom ersten Silberfund dar. Die Frontseite des Rathausturmes wird von einem großen Stadtwappen geziert.

Im historischen Stadtkern gibt es viele wertvolle bürgerliche Barockgebäude. Besonders zu erwähnen ist das sogenannte Bortenreuther-Haus, das heutige Museum für bergmännische Volkskunst. Unweit des Museums, im Gebäude Kirchgasse 4 (Gedenktafel), befand sich eine Druckerei, die vom Bruder Robert Schumanns betrieben wurde. Im ehemaligen Gasthof „Zum Ring“ traf J. W. v. Goethe mit Charlotte von Stein zusammen. Vor diesem Haus befindet sich der Bergmannsbrunnen mit dem imposanten Steiger. Hinter der historischen „Alten Hauptwache“ ragen die Doppeltürme der Hospitalkirche St. Trinitatis (erbaut 1567–1575) empor.
   

 
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